Allgemeine Artikel und News

NewsDie europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA hat schon im Frühjahr 2018 eine amtliche Produktintervention zu CFDs und Binären Optionen erlassen. Dieses Mittel wird nur sehr selten angewendet. Es bedeutet, dass eine Finanzaufsichtsbehörde - das könnte auch eine nationale Behörde wie die BaFin sein - bestimmte Finanzprodukte verbietet oder ihren Handel einschränkt.
 

Beides ist geschehen. Während Binäre Optionen nun von europäischen Brokern nicht mehr angeboten werden dürfen, wurden die CFD-Hebel für Privatanleger deutlich eingeschränkt. Die Hebel werden wie folgt eingeschränkt:

  • Forex-Major-Währungspaare: 1:30
  • Forex-Minor-Währungspaare, Index-CFDs (wie Dax) und Gold: 1:20
  • Rohstoff-CFDs: 1:10
  • CFDs auf Kryptowährungen: 1:2

Konsequenzen für den CFD-Handel

Die Beschränkung der CFD-Hebel für Privatanleger zielt vor allem auf die Hebel bestimmter Underlyings. Die Regulierung wirkt auf Broker und Trader gleichermaßen ärgerlich. Vor allem Letztere sind frustriert, weil ein großer Reiz des Derivatehandels - der hohe Hebel - praktisch verschwunden ist. Die ESMA-Intervention, die Trader vermeintlich schützen soll (wovor?), wirkt wie eine Kaputtregulierung des CFD-Handels. Die Anleger fühlen sich bevormundet, das ist ein wesentlicher Aspekt. Doch hinzu kommt die massive Ungleichbehandlung einzelner Produkte, die unverständlich wirkt und Rechtsanwälte dazu einladen wird, die Broker abzumahnen. Erste Broker-Reaktionen gab es allerdings auch schon. IG warnt seine Kunden vor einem Gewinneinbruch, der Broker LYNX hat den CFD-Handel eingestellt.

Was sollen die Produktinterventionen?

Im Grunde sind es Notmaßnahmen für einen Worst Case, also beispielsweise einen Crash mit massiver Slippage, der trotz Stopploss zu Totalverlusten führen kann. Darüber hinaus schätzen die ESMA-Verantwortlichen die privaten Trader nicht als mündig genug ein, um die Risiken im ganz normalen Alltagsgeschäft richtig einschätzen zu können. Man ermittelte von behördlicher Seite, wie viele private Tradingkonten überhaupt dauerhaft Gewinne verbuchen, stellte fest, dass diese Anteil deutlich unter 50 % lag und beschloss daher, zu intervenieren. Unter diesem Blickwinkel müsste das Glücksspiel verboten werden, ist es aber nicht: Der Staat verdient daran viel zu viele Steuern, und das schon seit Jahrhunderten und weltweit. Daher bleibt Glücksspiel erlaubt, Binäre Optionen aber werden verboten, CFDs eingeschränkt. Der Protest der Trader ließ nicht auf sich warten, denn diese fühlen sich mündig genug, um selbst über ihr Schicksal zu befinden. Dabei werden CFDs und Binäre Optionen durchaus differenziert betrachtet. Letztere waren zumindest für unbedarfte Anfänger tatsächlich eine Einladung zum Glücksspiel. Einige Broker haben den Zulauf mit unseriösen Gewinnversprechen gepusht - inklusive YouTube-Videos von vermeintlichen Gewinnern, die stolz ihren neuen, angeblich durch Binäre Optionen erworbenen Reichtum vorführten. Inwieweit hier tatsächlich Märchen erzählt wurden, lässt sich nicht nachprüfen. Solche Videos wirken auf einen besonnenen Menschen immer anrüchig, jedoch gibt es sie auch schon immer. In den 1990er Jahren warb “Wer wird Millionär” Moderator Günther Jauch in so einem Video für den Erfolg des Amway-Strukturvertriebes und stellte einige Amway-Millionäre vor. Das Video dürfte intern in Vertriebsgesellschaften immer noch kursieren, für die Öffentlichkeit war es nie bestimmt. Günther Jauch gab seinen damals schon guten Namen her, was bedeutet, dass halt auf diese Weise geworben wird und das noch längst nicht bedeutet, dass die Produkte oder Vertriebssysteme nichts taugen. Kurz und gut, es ließen sich wohl zu viele junge Menschen vom vermeintlich sehr schnellen Reichtum durch Binäre Optionen anlocken, zu viele von ihnen verloren zu schnell zu viel Geld, die ESMA verbot diese Produkte. Bei diesem Verbot stellen wir in der öffentlichen Diskussion nirgendwo die eigentlich interessierende Frage fest: Wie verdienten die Binärbroker eigentlich ihr Geld? Wo doch der Handel vollkommen kostenlos ablief? Verdienten sie etwa doch an den Verlusten der Trader? Beweisen lässt sich das wohl kaum, aber möglicherweise gab es bei der ESMA auch solche Überlegungen. Doch wenden wir uns den CFDs zu.

Abschaffung der Nachschusspflicht bei CFDs

Die Nachschusspflicht für CFDs wurde abgeschafft, was ein wirklich erfreulicher Aspekt ist. Zuvor hatte sie in Einzelfällen CFD-Trader in die Pleite getrieben. Allerdings waren auch (wenige) Broker von Pleiten betroffen, als Märkte crashten und weder Stopps noch Hedging zur Absicherung halfen. Schon durch die zunächst erfolgte Abschaffung der Nachschusspflicht hatten die meisten Broker ihre Hebel für Privattrader auf maximal 1:100 gesenkt. Vor wichtigen News oder auch vor Wochenenden, an denen wirtschaftsrelevante News zu erwarten sind (wie die gefürchteten Tweets von Donald Trump), erhöhen sie gern situativ die Margin. Grundsätzlich ist die abgeschaffte Nachschusspflicht zu begrüßen, und zwar nicht nur als Schutz für Trader, sondern auch, weil sie ein wichtiges Totschlagargument der Gegner von CFDs aus der Welt schafft: dass Trader mehr als ihre Einlage verlieren können. Das war zuvor für das Risikomanagement von Tradern und auch Brokern eine große Herausforderung gewesen. Dennoch blieben einige Anbieter bei Hebeln von bis zu 1:500 (stellenweise noch höher), was zwar manchen Tradern gefallen haben dürfte, jedoch die Risiken weiter aufrechterhielt. Die Branche erwartete daher schon länger eine Hebel-Obergrenze und begrüßte diese stellenweise, als sie dann durch die ESMA beschlossen wurde. Es stellt sich nur die Frage, inwieweit das den Wünschen ambitionierter Trader entgegenkommt, die gern mit wenig Kapital, aber hohem Hebel operieren wollen. Die kleineren Hebel verlangen zwangsläufig bei gleichen Gewinnerwartungen einen deutlich höheren Kapitaleinsatz. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Möglicherweise würgt die ESMA an dieser Stelle den privaten Handel ab.

Neue Stop-Out Regel

Viele Broker stoppten schon in der Vergangenheit Positionen automatisch bei einem bestimmten Verlust aus. Das dient dem Schutz der Konten, der Kunden und des Brokers. Diese bislang freiwilligen Regeln von einigen - nicht allen - Brokern hat die ESMA nun durch eine Vorschrift ersetzt, welche den Stop-Out bei 50 % zementiert. Zuvor konnten Broker nach Belieben so einen Stop-Out bei einer bestimmten Schwelle festlegen oder auch ganz darauf verzichten. Das bedeutet künftig, dass Trader nicht mehr als 50 % einer Position verlieren können, was weniger hilfreich ist, als es dem Laien erscheint. Ein Trader kann nämlich im Sinne eines globalen Risikomanagements für viele Positionen durchaus eine Einzelposition nötigenfalls aufgeben - wenn sie zum Beispiel durch eine gegenläufige Position gehedgt ist. Diese Regelung wirkt daher leider sehr starr.

Verbot monetärer Anreize

Dieses Verbot von Boni, Rabatten und Gewinnspielen hat eine ganz eigene Qualität. Es soll Anreize unterbinden, die Trader zum kopflosen Handeln verleiten könnten. Experten betrachten dieses Verbot mit gemischten Gefühlen. Einerseits verleiten gerade Boni auf die Erstkapitalisierung eines Kontos womöglich Anfänger dazu, eine Menge Kapital nur für den Bonus zu verspielen. Andererseits sind solche Boni in Online-Casinos, wo es um echtes Glücksspiel geht, absolut üblich und nach wie vor erlaubt. Die Boni für erfahrene Trader und die Ausschüttungen bei Gewinnspielen (Tradingwettbewerben) wurden vielleicht unnötigerweise verboten. Diese Gruppe von Tradern sollte wissen, was sie tut.

Risiko-Hinweis

Der künftig vorgeschriebene Risiko-Hinweis in jeder Kommunikation zwischen den Brokern und ihren Kunden wirkt ein wenig aufgesetzt, zumal Trader die Risiken in der Regel kennen. Neu ist nun, dass Broker in Prozent angeben müssen, wie vieler ihrer Kundenkonten in den letzten zwölf Monaten Verluste produziert haben. Hierfür gibt es eine streng standardisierte Berechnungsgrundlage. So lästig so ein Risiko-Hinweis sein mag, als so wertvoll könnte er sich in einigen Jahren erweisen, wenn sich jemand mal die Mühe macht, die publizierten Zahlen zu evaluieren und abzugleichen. Bislang kursieren zu den möglichen Gewinnen oder Verlusten von privaten Tradern nur Schätzungen, die schnell zu Gerüchten werden. So steht die Angabe im Raum, dass mindestens 90 % der privaten Trader überwiegend Geld verlieren. Einige nationale Aufsichtsbehörden haben sich schon die Mühe gemacht, die Gewinn- und Verluststände der privaten Tradingkonten zu ermitteln (so etwa die polnischen und die irischen Behörden), sie stellten einen prinzipiellen Verlustanteil bei den Konten zwischen 74 bis 89 % fest. Dabei wurde nicht ermittelt, wie hoch die Verluste pro Jahr ausfielen. Dem stehen Quartalsberichte von US-Forexbrokern gegenüber, die ihren Kunden eine durchschnittliche Gewinnquote von 32,5 % bescheinigen. Eine Studie des CFin-Research Center for-Financial Services ermittelte für Deutschland eine Verlustquote bei 62,7 % der privaten Trader. Es dürfte daher in Zukunft spannend sein, wie viele Trader tatsächlich Geld gewinnen oder verlieren. Auch die Höhe der Gewinne und Verluste ist interessant. Die neue Vorschrift könnte auf jeden Fall zur Aufklärung beitragen.

Mit welchen kreativen Lösungen könnten Broker auf die neuen ESMA-Vorschriften reagieren?

Die Broker machen sich natürlich darüber Gedanken, wie sie mit den neuen Vorschriften im Interesse ihrer Kunden und im nackten Eigeninteresse umgehen können. Folgende Maßnahmen stehen dabei als Überlegung im Raum oder werden schon vereinzelt durchgeführt:

  • Broker gewähren ihren Kunden einen Kreditrahmen. Das schafft die Möglichkeit, auch mit einer sehr geringen Einlage gehebelt zu handeln.
  • Einstufung von Kunden als professionelle Händler: Einige Broker wie CMC, IG und weitere bieten ihren privaten Tradern an, sich als professionelle Händler einstufen zu lassen. Damit gibt es keine Hebelbeschränkungen mehr für das Tradingkonto, jedoch gilt auch wieder die Nachschusspflicht.
  • Handel über Offshore-Niederlassungen: In Zeiten des Internets können Broker eine Offshore-Dependance einrichten und von dort aus auch EU-Trader bedienen. Möglicherweise muss es nicht einmal eine exotische Karibik-Insel sein, wenn nach dem Brexit die britischen Broker nicht mehr an die ESMA-Regeln gebunden sind. Dort wäre dann möglicherweise wieder der CFD-Handel wie eh und je möglich.

Wie sollen Trader reagieren?

Trader können, wenn sie rechtskonform handeln, überall ein Konto eröffnen. Sie müssen nur beachten, dass ausländische Broker nicht die Steuern auf Tradinggewinne automatisch als Quellensteuer an den deutschen Fiskus abführen. Der Trader ist für diese Steuern selbst verantwortlich. Umgehen kann er sie nicht: Das wäre 1. ohnehin strafbar, es würde 2. auch mit Sicherheit auffliegen, weil jeder Broker vom Kunden irgendein Referenzkonto verlangt. Dieses dürfte so gut wie immer ein deutsches Girokonto sein, das der deutsche Fiskus kontrollieren kann. Der CFD-Handel ist aber bei Nicht-EU-Brokern ganz sicher wie gehabt möglich. Allerdings haben manche Trader Bedenken, ihr Geld auf ein ausländisches, nicht der EU-Gerichtsbarkeit unterliegendes Konto zu überweisen. Diese Bedenken sind nicht ganz unberechtigt, denn der Schutz für Anleger durch die MiFID-Regeln in Europa ist tatsächlich nicht zu unterschätzen.

Allgemeiner Risikohinweis: Der Handel mit Optionen, Kryptowährungen und CFDs ist höchst spekulativ und kann zum Verlust des gesamten Kapitals führen. 73-89 % aller Privatanleger verlieren Geld beim Handel mit CFDs. Investieren Sie nur die Summe, deren Verlust Sie verschmerzen können.
 
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