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NewsDie europäische Finanzaufsicht ESMA hat den Binärhandel europäischen Brokern komplett verboten und beim CFD-Handel die Hebel für private Trader beschränkt. Dafür sind sie künftig auch von der Nachschusspflicht befreit. Was als Anlegerschutz kommuniziert wird, gefällt weder Brokern noch ihren Kunden - den Tradern.
 

Es gibt jedoch eine Lösung: Trader können den Status als “Professional Client” erlangen und dann wie gehabt mit hohen CFD-Hebeln handeln. Für diesen Status gibt es Regularien, welche die ESMA vorschreibt.

Welche Anforderungen gelten für einen Professional Trader?

Die ESMA hat die Anforderungen an professionelle Trader, die es schon vorher im nationalen Recht gab (für Deutschland im Wertpapierhandelsgesetz § 67 formuliert), für europäische, dem EU-Recht unterstehende Broker und ihre Kunden vereinheitlicht. Es gilt nach wie vor, dass Privatkunden diesen Status auf Antrag von ihrem Broker erhalten können. Dafür müssen sie mindestens zwei der drei nachstehenden Voraussetzungen erfüllen:

  • durchschnittlich zehn Trades pro Quartal im vergangenen Jahr und in demjenigen Markt, für den die Einstufung als professioneller Kunde erfolgen soll
  • Besitz von Bankguthaben und/oder Finanzinstrumenten von über 500.000 Euro
  • mindestens einjährige professionelle Handelserfahrung als Finanzdienstleister oder auch privater Trader, die zur entsprechenden Kenntnis zu den betreffenden Geschäften und Wertpapierdienstleistungen führte

Der Punkt 2 dürfte von vielen Tradern nicht erfüllt werden, die anderen beiden Punkte erscheinen nicht unrealistisch. Das nötige Volumen der im Punkt 1 genannten Trades wird allerdings uneinheitlich kommuniziert. Es könnte sein, dass Trades mit fünfstelligen Einsätzen gemeint sind. Daran dürften viele private Trader scheitern. Viele Broker gehen derzeit kein Risiko ein und kündigen strenge Prüfungen entsprechender Anträge an. Gegenbeispiele gibt es auch. So soll ein nicht näher benannter Broker auch einen privaten Trader zum Professional Client hochgestuft haben, der nur eine niedrige zweistellige Summe auf seinem Tradingkonto vorweisen konnte. In einem anderen Fall soll ein Trader sogar mit einem Demokontoauszug den begehrten Status erhalten haben. Diese Berichte tragen allerdings den Status von Gerüchten. Das unterbindet wiederum nicht die heftige öffentliche Diskussion darum, ob es nicht möglich sei, die wirklich hohen Hürden zu überspringen.

Wie streng können die Prüfungen der Broker in Wahrheit ausfallen?

Wie streng die Broker in Zukunft ihre Kunden überprüfen, wird die nähere Zukunft der Jahre 2018 bis 2020 zeigen. Es gab solche Vorschriften schon immer, sie wurden mehr oder weniger streng gehandhabt. Vor 2010 ließen deutsche Discount-Broker Neukunden nur dann zu Derivategeschäften in einer bestimmten Risikoklasse zu, wenn diese Kunden glaubhaft machten, dass sie solche Derivate schon mindestens seit einem Jahr handeln - wo auch immer. Es genügte allerdings, das zu behaupten. Überprüft wurde es nicht. Nach 2010 wurde über solche Prüfungen gar nicht mehr gesprochen. Jedermann konnte überall ein CFD-Konto eröffnen und sofort handeln. Das deutsche WpHG sieht zwar schon immer solche Überprüfungen vor, doch es wurde noch nie als scharfes Schwert gegen allzu risikofreudige Trader und ihre Broker, die sie gewähren lassen, angewendet. Das ist ein typisch deutsches Phänomen. In Großbritannien etwa sind die Broker sehr wohl angehalten, den Background neuer Kunden zu überprüfen. Doch wenn ein Broker so eine Prüfung nur lax oder gar nicht durchführt: Was hätte er zu befürchten? Im Prinzip könnte ihm nur die Klage eines Anlegers drohen, der mangels Erfahrung sehr viel Geld verloren hat und nun den Broker für seinen Leichtsinn verantwortlich macht, weil dieser die nötigen Voraussetzungen nicht streng genug geprüft hat. Solche Klagen von Kunden sind nicht bekannt. Die Broker und ihre Trader sitzen viel zu sehr in einem Boot, als dass sich eine wirklich strenge Überprüfung von Professional Clients durch eine Behörde durchführen ließe.

Wie gehen Broker gegenwärtig mit einem Professional Account um?

Dieser Account wird oft Bestandskunden gewährt. Die Broker sind der Auffassung, dass langjährige Trader eigentlich wissen sollten, was sie tun. Es soll sogar Broker geben, die Kunden automatisch zum Professional Trader machen, wenn diese sechs Monate lang bei ihnen Orders gebucht haben. Juristen wie der Münchner Fachanwalt Dr. Philipp Hendel sehen das mit gemischten Gefühlen. Allerdings verweisen sie darauf, dass weder das deutsche WpHG noch die neue ESMA-Vorschrift explizit formulieren, auf welche Weise Broker ihre Kunden zu überprüfen hätten - etwa durch Vorlage von Bankauszügen. Daher bestehe wohl eine rechtliche Grauzone. Wenn es zum Streitfall käme, müsse ein Kunde davon ausgehen, dass der Broker durchaus seinen Angaben vertrauen dürfe, ein Broker müsse wiederum davon ausgehen, dass ein gewisses Monitoring des Kunden erwartbar sei. Neu- oder Bestandskunden einfach ungeprüft einen Professional Account zu verleihen könnte durchaus zum Problem werden. Schlimmstenfalls wird der Broker schadenersatzpflichtig.

Werden die ESMA-Restriktionen Bestand haben?

Solche Gesetze sind anfechtbar. In der Regel positionieren sich die Gegner in den wenigen ersten Monaten ihres Bestands, sammeln Fakten, Meinungen und damit Munition und führen dann Musterklagen durch. Vieles geschieht auch im Hintergrund, die Öffentlichkeit bemerkt es nicht. Anwälte beider Seiten verhandeln miteinander und einigen sich unauffällig. Eine solche Einigung könnte darin bestehen, dass Anwälte von sehr kapitalstarken Brokern den ESMA-Juristen zu verstehen geben, dass man mit unglaublichen Einsatz (den man auch finanziell gut durchstehe) eine Schikane von Brokern und ihren Kunden anfechten werde. Die ESMA könnte zu verstehen geben, dass man sich möglicherweise mit den Aussagen von Kunden gegenüber ihren Brokern zufriedengeben werde, also nicht auf der strengen Prüfung beharre und auch keine ungefragten Kontrollen durchführen werde, die eigentlich nötig wären. Danach könnte sich die Aufregung legen. Die Broker würden dann Fragebögen anfertigen, auf denen Kunden einige Kreuze machen. Danach sind sie professionelle Trader und können wie eh und je CFDs mit hohen Hebeln handeln. Die Beamten der ESMA hätten mit der Verordnung ihre Pflicht getan und den Kritikern des CFD-Geschäfts vorläufig den Wind aus den Segeln genommen.

Wie wahrscheinlich ist so eine friedliche Lösung?

Sie ist gar nicht so unwahrscheinlich, weil die neue Verordnung auf einer bedeutsamen Konstruktion basiert: Rein private Trader dürfen zwar nur noch niedrig gehebelt handeln, sind aber auch von der Nachschusspflicht befreit. Auf die professionellen Trader trifft das nicht zu. Daher dürfte sich ein jeder private Trader in Zukunft genau überlegen, ob er wirklich weiter so hoch gehebelt handeln möchte, dabei aber stets und ständig einen heftigen Nachschuss riskiert. Vielleicht regt die ESMA-Verordnung auch zum Nachdenken an und entfaltet allein dadurch ihre Wirkung.

Allgemeiner Risikohinweis: Der Handel mit Optionen, Kryptowährungen und CFDs ist höchst spekulativ und kann zum Verlust des gesamten Kapitals führen. 73-89 % aller Privatanleger verlieren Geld beim Handel mit CFDs. Investieren Sie nur die Summe, deren Verlust Sie verschmerzen können.
 
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